Wir treffen Jürgen Brandt in seinen Büroräumen in Dresden. Die Atmosphäre ist geschäftig, aber nicht hektisch. Es ist dieses typische Rauschen einer gut organisierten Agentur, in der Telefone klingeln, aber Gespräche ruhig und lösungsorientiert geführt werden. Brandt wirkt entspannt, ein Mann, der weiß, was er kann und wohin er will. Er ist keiner von den Anzugträgern, die mit Fachchinesisch um sich werfen, um Kompetenz zu simulieren. Wenn er spricht, dann direkt, unverblümt und mit einer klaren Meinung.
Das Thema unseres heutigen Gesprächs ist der Wandel. Die Versicherungsbranche steht vor einem Umbruch, den viele noch gar nicht realisiert haben. Apps, Vergleichsportale und Künstliche Intelligenz verändern die Art und Weise, wie wir Risiken absichern. Doch während viele Propheten den Tod des persönlichen Vermittlers vorhersagen, steuert Jürgen Brandt mit seiner Ergo-Agentur auf Expansionskurs – allerdings in eine ganz bestimmte Richtung. Er glaubt nicht an den „Bauchladen“ für jedermann als Geschäftsmodell der Zukunft, sondern an hochspezialisierte Beratung für die, die wirklich etwas zu verlieren haben. Im Interview erklärt er, warum er sich bewusst gegen das unabhängige Maklertum entschieden hat, warum Privatkunden dennoch ein wichtiges Standbein bleiben und was ein verstopfter Suezkanal mit der Sicherheit eines Dresdner Handwerksbetriebs zu tun hat.
Der Wandel vom Verkäufer zum Berater
Redaktion: Herr Brandt, wenn man sich die Werbung im Fernsehen oder im Internet ansieht, bekommt man den Eindruck, Versicherung sei heute ein Lifestyle-Produkt. Ein Klick, eine App, fertig. Sie sind seit Jahren im Geschäft. Ist das die Realität, mit der Sie sich täglich auseinandersetzen?
Jürgen Brandt: Jein. Für einen Teil des Marktes stimmt das absolut. Schauen Sie sich den Privatkundenbereich an. Eine Privathaftpflicht oder eine einfache Hausratversicherung, das wird immer mehr zu einem „Amazon-Modell“. Die Leute wollen es einfach und schnell. Die Vergleichbarkeit ist enorm hoch, und die Loyalität sinkt. Das ist wie beim Online-Dating: Wenn Ihnen das Angebot nicht passt, wischen Sie weiter. Der Markt dreht sich in diesem Segment exorbitant.
„Das ganze Thema Hausrat, Haftpflicht, Rechtsschutz entwickelt sich immer mehr zu einem Amazon-Modell. Es ist fast wie beim Dating: Swipe nach links, Swipe nach rechts – man hat einen Vertrag und kündigt ihn morgen wieder. Die Austauschbarkeit ist enorm.“
Redaktion: Das klingt erst einmal düster für eine klassische Agentur. Wenn der Kunde „swipen“ kann, wozu braucht er dann noch einen Ansprechpartner wie Sie in Dresden?
Jürgen Brandt: Genau das ist der Punkt. Wenn ich versuchen würde, mit einer App um die günstigste Privathaftpflicht für 50 Euro im Jahr zu konkurrieren, hätte ich verloren. Aber dieses Modell funktioniert nur bei einfachen Risiken. Sobald wir über existenzielle Themen sprechen, über Unternehmen, über Produktion, über komplexe Haftungsketten, versagt der Algorithmus. Ein Autohaus oder einen produzierenden Betrieb können Sie nicht per App versichern. Da geht es nicht um „Swipe links“, da geht es um Detailwissen.
Redaktion: Heißt das, Sie verabschieden sich vom Privatkunden?
Jürgen Brandt: Keineswegs. Wir betreuen Privatkunden selbstverständlich weiterhin mit höchster Professionalität. Wir bieten jedem, der eine Hausrat- oder Autoversicherung braucht, einen exzellenten Service und persönliche Ansprechpartner. Doch mein strategischer Fokus und meine Energie fließen verstärkt in die komplexen Themen der Gewerbe- und Industriekunden. Oft geht das auch Hand in Hand: Wenn wir einen Unternehmer betreuen, kümmern wir uns natürlich auch ganzheitlich um seine privaten Belange, sein Haus und seine Familie. Das ist unser Anspruch. Aber die „Lokomotive“, die unser Wachstum antreibt, ist das Gewerbe.
Makler oder Vertreter: Eine bewusste Entscheidung
Redaktion: Sie sprechen von Beratung. Viele Unternehmer denken, dass sie für eine objektive Beratung zu einem unabhängigen Versicherungsmakler gehen müssen, der den ganzen Markt vergleicht. Sie sind aber „Ausschließlichkeitsagent“ der Ergo. Ist das nicht ein Nachteil?
Jürgen Brandt: Das ist ein Vorurteil, das sich hartnäckig hält, aber ich sehe das genau andersherum. Ein Makler sucht oft nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis über viele Gesellschaften hinweg. Das ist legitim. Aber ich habe mich bewusst dafür entschieden, Agent für die Ergo Versicherungsgruppe zu sein. Warum? Weil ich damit Zugriff auf Ressourcen habe, die ein Einzelmakler oft nicht bieten kann. Ich habe einen riesigen Konzern im Rücken, der nicht nur Produkte liefert, sondern Sicherheit. Wenn es hart auf hart kommt, muss ich nicht erst bei Versicherung A, B oder C anrufen und in der Warteschleife hängen. Ich bin Teil des Systems.
Redaktion: Das heißt, Sie verkaufen nicht den Vergleich, sondern die Lösung aus einer Hand?
Jürgen Brandt: Exakt. Und diese Hand ist verdammt stark. Wir dürfen nicht vergessen: Die Ergo gehört zur Munich Re. Das ist der weltweit größte Rückversicherer. Das klingt für den Laien vielleicht abstrakt, aber für den Unternehmer bedeutet das pure Sicherheit. Wir können Risiken zeichnen, bei denen andere nervös werden. Und wir regulieren Schäden, die andere in den Ruin treiben würden.
Die Kraft der Munich Re: Wenn Milliarden fließen müssen
Redaktion: Können Sie das an einem Beispiel festmachen? Was hat der Dresdner Mittelständler von der Munich Re?
Jürgen Brandt: Erinnern Sie sich an die „Ever Given“? Das Containerschiff, das im Suezkanal quer stand und die halbe Weltwirtschaft blockiert hat?
Redaktion: Natürlich, die Bilder gingen um die Welt.
Jürgen Brandt: Das war ein Schaden von gigantischem Ausmaß. Wir reden hier über Milliardenforderungen. Und wer hat das bezahlt? Die Munich Re. Und das Spannende ist: Die haben das bezahlt, ohne mit der Wimper zu zucken.
Jürgen Brandt: Wenn ich einem Unternehmer in Dresden gegenübersitze, sage ich ihm: Schauen Sie, wenn mein Mutterkonzern den Suezkanal freikaufen kann, dann werden wir auch Ihre abgebrannte Lagerhalle regulieren können, ohne dass wir morgen Insolvenz anmelden müssen. Diese Finanzkraft ist im Gewerbe- und Industriegeschäft das wichtigste Argument.
Geschwindigkeit ist keine Hexerei, sondern Vollmacht
Redaktion: Bleiben wir beim Thema Schaden. Das ist ja der Moment der Wahrheit. In der Branche hört man oft von endlosen Bearbeitungszeiten und Kunden, die monatelang auf ihr Geld warten. Wie heben Sie sich davon ab?
Jürgen Brandt: Wir haben das erkannt und die Prozesse bei uns in der Agentur radikal verändert. Ich will nicht, dass mein Kunde in einer anonymen Hotline landet. Wenn hier jemand anruft, dann landet er bei meinem Team in Dresden. Wir haben mittlerweile14 Mitarbeiter, und die Strukturen sind so aufgebaut, dass die meisten Dinge sofort erledigt werden können. Aber der eigentliche Vorteil ist unsere Regulierungsvollmacht.
Redaktion: Was bedeutet das konkret?
Jürgen Brandt: Das bedeutet, dass wir Schäden bis zu einer gewissen Höhe – aktuell etwa 5.000 Euro, aber das wird im Gewerbebereich noch steigen – selbst regulieren. Ich muss keine Akte in die Zentrale schicken und auf einen Stempel warten. Mein Team prüft den Fall, und wenn alles passt, weisen wir die Zahlung an. Das ist für einen Handwerker, dem Werkzeug gestohlen wurde, oder für ein Autohaus mit einem Parkrempler essenziell. Die wollen weiterarbeiten.
Spezialisierung statt Bauchladen
Redaktion: Sie haben vorhin gesagt, Sie wollen weg vom „Bauchladen“. Aber eine Versicherung bietet ja alles an. Wie passt das zusammen?
Jürgen Brandt: Natürlich bilden wir das gesamte Spektrum ab. Auch im Privatkundenbereich bieten wir professionelle Lösungen, vom Hausrat bis zum Auto. Aber meine strategische Energie und meine Fortbildung fließen in Spezialthemen. Wir positionieren uns als Experten für Gewerbe, Industrie, Cyber und Flotten. Das sind Bereiche, die beratungsintensiv sind. Ein Algorithmus kann Ihnen nicht erklären, warum Sie als GmbH-Geschäftsführer persönlich haften, wenn Sie keine D&O-Versicherung haben und Ihr Laden durch einen Cyberangriff stillsteht.
Redaktion: Sie wirken sehr überzeugt von diesem Weg. Ist das auch eine persönliche Motivation?
Jürgen Brandt: Ja, ist es. Ich bin Verkäufer aus Leidenschaft, aber ich bin kein Klinkenputzer. Ich will auf Augenhöhe mit Unternehmern sprechen. Ich will deren Geschäftsmodell verstehen und ihnen den Rücken freihalten. Wenn ein Kunde zu mir sagt: „Herr Brandt, seit Sie das machen, schlafe ich ruhiger“, dann ist das für mich mehr wert als der schnelle Abschluss per Klick. Wir bauen hier etwas auf, das Bestand hat. In Sachsen, für Sachsen. Und mit der Power eines Weltkonzerns im Rücken.
Redaktion: Herr Brandt, vielen Dank für das offene Gespräch und den Einblick in Ihre Philosophie.
Jürgen Brandt: Sehr gerne. Und wer es nicht glaubt, soll einfach mal auf einen Kaffee vorbeikommen. Aber ohne App, sondern live und in Farbe.
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