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Praxis

PB II | BEST-PRACTICE-MODELLE | NATIONAL

Einleitung

Der Projektbereich "Chancen erarbeiten – a³" entwickelt in enger Abstimmung mit lokalen Bildungsträgern, Wirtschaft und Wissenschaft Fördermodelle und Lehr- und Lernkonzepte zum Übergang Ausbildung und Arbeit im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung. Diese werden bei Bildungsträgern modellhaft umgesetzt. Um auf vorhandenem Wissen aufzubauen, werden im Vorfeld vom Projektbereich gelingende arbeitsweltorientierte Alphabetisierungs- und Grundbildungskonzepte im In- und Ausland recherchiert.

Der Projektbereich hat fünf Modelle arbeitsweltorientierter Alphabetisierung und Grundbildung in Deutschland ausgewählt.

Nach intensiver Recherche, Telefonaten mit Kurs-Anbietern, Analysen und Vergleichen sowie Abwägung der einzelnen Kriterien ist der Projektbereich zu folgendem Ergebnis gekommen:

-> AlphaBeORE/init e.V. (Recklinghausen)

-> Schulsozialarbeit mit dem Schwerpunkt Lese- und SchreibförderungKerschensteiner Berufskolleg (Bielefeld)

-> GuAVHS Oldenburg

-> Lesen und Schreiben für den BerufVHS Gelsenkirchen

-> Berufsvorbereitende Maßnahme für Lese- und SchreibschwacheLesen und Schreiben e.V. (Berlin)

Das Angebot des Kerschensteiner Berufskollegs und der VHS Gelsenkirchen wird bis dato durchgeführt, während die anderen recherchierten Angebote ausgelaufen sind.

(KE)

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Ein erstes Fazit

Die Recherche und auch die Ergebnissicherung haben den Mitarbeitenden des Projektbereichs deutlich gemacht, dass Wissen und Erfahrung gebündelt werden müssen, denn viele Einrichtungen leisten ähnliche Arbeit, ohne voneinander zu wissen. Die Spezialisierung auf dem Gebiet Alphabetisierung oder Arbeitsweltorientierung können Bildungsträger als Anlass nehmen, sich untereinander über dieses Thema auszutauschen und so Synergien erzielen. Träger von berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen sollten mit Blick auf bildungsbenachteiligte Lernende eine stärkere Ausrichtung auf Alphabetisierung einnehmen und einen verstärkten Einsatz leicht lesbarer Materialien praktizieren. Volkshochschulen sollten eine stärkere Ausrichtung auf Arbeits- und Ausbildungsthemen und eine optimierte Zielgruppenansprache von Jugendlichen vornehmen. Nach Einschätzung des Projektteams wäre es hilfreich, die Mitarbeitenden der Einrichtungen an einen Tisch zu holen, zur Zusammenarbeit zu bewegen und einen Austausch von Konzepten und Materialien sowie gegenseitige Schulungen anzustreben.

Mit den recherchierten Modellstandorten und gerne auch mit weiteren Akteuren im Bereich arbeitsweltorientierter Alphabetisierung wird eine langfristige Zusammenarbeit angestrebt. So sollen zum Beispiel Leichtlesematerialien, die im Projekt entwickelt werden, in den Kursen getestet und Lehrende und Lernende zu ihren Rückmeldungen befragt werden.

Das Team des Projektbereichs "Auf Ausbildung und Arbeitswelt vorbereiten" arbeitet daran, die Ergebnisse zusammenzufassen mit dem Ziel, diese und die Auswahlkriterien einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. So können die Erkenntnisse für die Bildungspraxis aufgegriffen und die Modelle adaptiert und weiterentwickelt werden.

Der ausführliche Bericht wird im Herbst 2009 auf diesen Seiten veröffentlicht. Das Projektteam beantwortet gerne Fragen und freut sich über Anregungen (02 51.49 09 96-41 oder -42).

(KE)

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Methodisches Vorgehen bei der Auswahl


Der Projektbereich hat in Deutschland zunächst knapp 150 Angebote zur arbeitsweltorientierten Alphabetisierung und Grundbildung gesammelt. Diese Angebote wurden aufgrund von Internetrecherche, Experteninterviews und Literaturanalyse zusammengetragen. Exemplarisch werden in diesem Schaubild Stichworte genannt, die zur Internetrecherche über Suchmaschinen und Datenbanken, wie die der Lernenden Regionen, die des BIBBs oder die des DJIs, genutzt wurden.

Materialien der Literaturanalyse waren Fachbücher, Dokumentation von Tagungen und pädagogische Fachzeitschriften, wie Unsere Jugend, Deutsche Jugend und Lernen Fördern.

Zudem wurden Experten-Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern folgender Institutionen geführt: Agentur für Arbeit, Arbeitsgemeinschaft, Volkshochschulen, Berufskollegs, Jugendämter, Groß- und Mittelständische Unternehmen.

Im ersten Anlauf wurden im Sinne der Forschungsleitfragen die interessantesten 150 Modelle auf 45, im zweiten dann auf 15 Better-Practice-Modelle eingegrenzt. Zu den Kriterien, die in der abschließenden dritten Bewertungsphase letztlich zur Auswahl der fünf Best-Practice-Modelle führten, gehörten:

- Personenzentrierte und kompetenzorientierte Kursgestaltung und Beratung
(um der Defizitorientierung zu vermeiden und Lernende bedürfnis- und bedarfsorientiert zu fördern.)
- Heterogene Gruppen in Hinsicht auf das Alter der Teilnehmenden
(hier soll das Konzept des gegenseitigen und gemeinsamen Lernens hervorgehoben werden)
- (Sozialpädagogische) begleitende Angebote
(um Problemen zu begegnen und die Entwicklung individuell zu begleiten)
- Praktische Erprobung in verschiedenen Berufsfeldern
(Erfahren von Kompetenzen in anderen Bereichen und Umsetzung des Gelernten)
- Innovative methodische und didaktische Ansätze
(um Spaß am Lernen zu vermitteln und neue Ansätze in der Erwachsenenbildung und der Benachteiligtenförderung den Lernenden zugänglich zu machen, die nachhaltiges Lernen ermöglichen)
- Verschiedene Lernorte
(Erprobung an verschiedenen Arten und Wechsel der mit Stress besetzten Räumen, Erfahrung im Sozialraum sammeln)
- Homogene Gruppen in Hinsicht auf die Schriftsprachkompetenz
(um Binnendifferenzierung und individuelle Förderung innerhalb einer Gruppe zu gewährleisten und Plenumarbeit zu ermöglichen)
- Flexibilität mit Blick auf Unterrichtsinhalte und Lernmaterialien
(um sich den Bedürfnissen der Lernenden anzupassen und aktuellen Situation  aufgreifen zu können)
- Einbindung der Einrichtung und des Angebots im Sozialraum
(um den Lernenden die Chance zu geben, ihre Umwelt neu zu erkunden und diese an andere Einrichtungen weiterzuvermitteln.)

Für die Mitarbeitenden des Projektes war es wichtig, neben den genannten Aspekten, die in der Alphabetisierung geltenden Kriterien in den Bereichen der Planung, Beratung, Durchführung und Evaluation zu berücksichtigen. Bei der Auswahl wurde zudem darauf Wert gelegt, dass die Modelle von unterschiedlichen Anbietern durchgeführt werden bzw. wurden. Zwar leisten die Volkshochschulen den überwiegenden Anteil der Alphabetisierungsarbeit, jedoch verändert sich, unter anderem durch die laufenden BMBF-Projekte, die Landschaft der Träger, die Lese- und Schreibkurse anbieten. Im Rahmen dieses Wandlungsprozesses ändert sich auch die Gestaltung der Angebote. Zudem differenzieren sich die Schwerpunkte in Hinblick auf Zielgruppen und Arbeitsweltorientierung aus. Um diese zunehmende Pluralität abzubilden, war es wichtig, fünf Ansätze von verschiedenen Bildungsanbietern in die Liste der wirksamsten Ansätze aufzunehmen.

Durch die Recherchewege ist nicht gewährleistet, dass alle gelingenden arbeitsweltorientierte Alphabetisierung- und Grundbildungsmodelle mit eingeschlossen werden konnten, weil nicht jeder Kursanbieter seine Arbeitsmethoden und Ergebnisse veröffentlicht. Falls Sie Anregungen haben, welches Angebot für den Forschungskontext zusätzlich interessant ist, kontaktieren Sie uns gerne.

(KE)

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Methodisches Vorgehen vor Ort

Die Einrichtungen wurden vor Ort besucht und Daten durch Experteninterviews und teilnehmende Beobachtungen eruiert. Die Interviews erfolgten auf verschiedenen Ebenen der jeweiligen Einrichtungen, um alle Sichtweisen der Angebote in den Blick nehmen zu können, die der Geschäftsführung, Projektleitung, Kursleitenden, SozialpädagogInnen und Lernenden. Dabei wurde ein besonderes Augenmerk auf die Einschätzungen der Lernenden gerichtet.

Die Experten-Interviews hatten folgende Themenblöcke: Entstehung des Angebots/Definition der Zielgruppe, Rahmenbedingungen, Pädagoginnen und Pädagogen, Werbung und Marketing, Durchführung des Angebots, Erfolge des Angebots, Barrieren, Hindernisse, Grenzen und Kritik. Diese wurde nach Einverständnis der Interviewten mit einem digitalen Diktiergerät aufgezeichnet und später transkribiert. Die teilnehmenden Beobachtungen wurden in den Einrichtungen vorgenommen, deren Angebot noch besteht bzw. nach ähnlichen Methoden wie im ausgewählten Modell durchgeführt wird.

(KE)

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AlphaBeO – Alphabetisierung und Berufsorientierung

Das Projekt war eine Vollzeit-Maßnahme über ein Jahr. Ein besonderes Merkmal dieses Angebots ist der Einsatz verschiedener erwachsenenpädagogischer Methoden und der Wechsel zwischen ihnen. Durch das Team-Teaching von zwei Pädagoginnen war das parallele Angebot von Arbeit in binnendifferenzierten Gruppen und selbstgesteuertem Lernen möglich. Das Lernen im Plenum folgte einem Wochenthema, während die Inhalte in den Gruppen auf diese jeweils abgestimmt wurden.

Das Projekt "AlphaBeO" des Jugendberufshilfeträgers RE/init e.V zeichnet sich insbesondere durch innovative Binnen-Differenzierung und kreative Methoden aus. RE/init e.V hat seinen Hauptsitz in Recklinghausen und geht in vielerlei Hinsicht innovative und mutige Wege gerade in der Benachteiligtenförderung: Der Verein wurde 1994 gegründet und hält seitdem differenzierte Angebote für verschiedene Zielgruppen bereit. So auch für die Zielgruppe der funktionalen Analphabeten und Menschen mit mangelnder Grundbildung mit dem Projekt AlphaBeO. "Die Integration in den Arbeitsmarkt und die Stärkung des Menschen selbst müssen dabei Hand in Hand gehen", weiß Sebastian Bartoscheck, Fachbereichsleiter Jugendliche. AlphaBeO wurde für eine Dauer von einem Jahr ab 2007 durgeführt und basierte auf dem Programm "Förderung von beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen für besondere Personengruppen in Ziel-2-Gebieten", das aus Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen und der europäischen Union (Europäischer Sozialfonds) anteilig finanziert wurde. Eine Besonderheit des Angebotes bestand in der Teilnehmergewinnung, die von „Marktschreierei“ bis hin zur intensiven Netzwerkarbeit reichte. "Die in vielen Aspekten, wie Alter und Schriftsprach-Kompetenz, heterogene Lerngruppe konnte durch die vielfältigen Angebote und Methoden zu einer Einheit zusammenwachsen und so gemeinsam und gegenseitig lernen", so die Lehrende Heidrun Schumacher. Gerhard Specht, Geschäftsführer von RE/init e.V., zur Entstehung des Angebotes und dem Zusammenhang zwischen Alphabetisierung und Arbeitswelt: "Ich denke, es wäre überhaupt nicht möglich gewesen, 40 Stunden in der Woche mit den Teilnehmenden nur Qualifizierung durchzuführen. Es muss schon ein Wechsel zwischen Qualifizierung und auch Beschäftigung mit praktischem Arbeiten vorhanden sein." Innerhalb des Projektes wurden Praktika durchgeführt, die von den Lehrenden und der Sozialpädagogin vorbereitet, begleitet und nachbereitet wurden. Nachbereitung war bei AlphaBeO ein Aspekt, auf den besonders Wert gelegt wurde. Nach Ende des Angebotes wurden die Teilnehmenden noch weitere drei Monate begleitet, um die Eingliederung in den Arbeitsmarkt oder anderen Bildungsangeboten zu betreuen.

Gut aufgestellt für die Alphabetisierung (v.l. Andreas Brinkmann, Katja Klose (beide Chancen erarbeiten), Gerhard Specht, Geschäftsführer von RE/init e.V., Sebastian Bartoschek, Fachbereichsleiter Jugendliche und Heidrun Schumacher, Lehrende bei AlphaBeO)

Zwei Lehrende und eine Sozialpädagogin sowie der Fachbereichsleiter Herr Bartoschek bildeten das Team von AlphaBeO, das für die Teilnehmenden im Laufe des Angebotes immer erreichbar war.

Das Angebot verfügte über eine eigene Etage im Gebäude, die die Teilnehmenden mit ihren Ideen und Projektergebnissen gestalten konnten. Diese Etage wurde vielfältig genutzt: Nach einer Plenumsphase hatten die Teilnehmenden Zeit für Freiarbeit mit Materialien, die für jeden individuell zum Wochenthema vorbereitet wurden. "Langeweile kam in der Vollzeit-Maßnahme durch den Einbezug von neuen Medien und abwechslungsreichen Methoden nicht auf", weiß auch die zweite Lehrende im Bunde, Kathrin Stoffeln. Zudem konnten sie an verschiedenen Materialien zur Konzentration sowie an Spielen oder PCs arbeiten. Parallel wurden die drei Gruppen, die zu Beginn des Angebotes nach Schriftsprachkompetenz-Niveau eingeteilt wurden, einzeln nach ihren Bedürfnissen gefördert. Im Verlauf des Projektes hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, die Gruppe nach ihren erweiterten Kompetenzen zu wechseln. Die Pädagoginnen teilten sich im Tagesverlauf auf: eine begleitete die Teilnehmenden bei der Arbeit an den individuellen Materialien zum Wochenthema in den so genannten "Werkstattmappen", die andere betreute die jeweilige Gruppe in einem anderen Raum. Am Ende des Tages fand wiederum eine Plenumsphase statt.

(KE)

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Schulsozialarbeit mit dem Schwerpunkt Lese- und Schreibförderung

Das Angebot am Kerschensteiner Berufskolleg zeichnet sich durch Einzelförderung aus. Durch die Abstimmung der Sozialpädagogin mit den Lehrkräften im Berufskolleg können die Lernenden nach ihren Bedürfnissen gefördert werden, ohne die Anforderungen des Berufsschulalltages außer Acht zu lassen. Neben der Lese- und Schreibförderung wird hier ein großer Wert auf Beratung gelegt, die von Lebensberatung bis hin zur Lernberatung reicht.

Ein Förderberufskolleg in Bielefeld. Alles scheint still. Doch in der ersten Etage des Gebäudes tut sich was… und zwar in Sachen Lese- und Schreibförderung von benachteiligten Jugendlichen.

Das Kerschensteiner Berufskolleg ist Träger eines Best-Practice-Modells. Der pädagogische Ansatz der gezielten individuellen Einzelförderung wird für alle Lernenden in Berufsvorbereitenden Maßnahmen bis hin in die Ausbildungen, die im Berufskolleg durchgeführt werden, angeboten.

Nach Absprache mit den Lehrerinnen und Lehrern und der Sozialpädagogin Eva Steffens-Elsner kann jede und jeder teilnehmen. Die Plätze sind begrenzt. Zur Zeit des Besuches des Projektbereiches "Auf Ausbildung und Arbeitswelt vorbereiten" im Mai 2009 nahmen 26 Auszubildende regelmäßig für ein bis zwei Stunden wöchentlich an dem Angebot teil.


Alles im grünen Bereich mit der Lese- und Schreibförderung (v.l. Andreas Brinkmann, Katja Klose (beide Chancen erarbeiten), Sozialpädagogin Eva Steffens-Elsner und Schulleiter Ulrich Schütte)

Das Angebot findet parallel zum Unterricht der Schülerinnen und Schüler statt. Diese kommen manchmal mit einem Aufgabenzettel, der in der Klasse durchgenommen wird, in die Stunde. Manchmal liegen den Jugendlichen aber auch anderen Sachen am Herzen. Dann geht es um Formulare, das Berichtsheft oder auch mal um das Thema Verhütung. "Es ist nicht nur Förderung im Lesen und Schreiben, sondern auch ganz viel Wertschätzung, Zuhören und einfach da sein", beschreibt Eva Steffens-Elsner ihre Arbeit. Das Angebot wird als Schulsozialarbeit mit dem Schwerpunkt Lese- und Schreibförderung beschrieben. Die Schulsozialpädagogin wird quasi als Lehrerin eingesetzt und aus Mitteln für Lehrkräfte finanziert.


Eva Steffens-Elsner stellt sich den Fragen zu ihrem Angebot.

In Dienstgesprächen findet ein regelmäßiger Austausch über die Organisation und die Inhalte der Fördermaßnahme statt. Zudem wird die Planung des individuellen Förderprozesses in enger Zusammenarbeit mit dem Kollegium, insbesondere den Sonderschullehrerinnen und –lehrern, in Bezug auf entsprechende Fragestellungen entwickelt. Das Angebot unterstützt nicht nur die Schüler in ihrem Lernprozess, sondern bindet auch die Lehrer hervorragend dabei ein, Unterrichtsmaterialien verständlicher zu formulieren. Somit führt das Angebot zu einer Veränderung im Unterrichtsstil der Lehrenden am Kerschensteiner Berufskolleg. Nach erfolgreichem Abschluss, das heißt motivierter, zuverlässiger und kontinuierlicher Teilnahme an der Förderung, erhalten die Teilnehmenden eine Bescheinigung über die Inhalte sowie persönlichen Lernschwerpunkte innerhalb des festgesetzten Zeitraums, der idealerweise die gesamte Ausbildungszeit umfasst.

(KE)

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GuA – Grundbildung und Arbeitsmarkt-Orientierung

Das Projekt GuA der VHS Oldenburg legt besonders großen Wert auf begleitende Angebote, die aus Beratung, Exkursionen und den Einsatz von Gastreferentinnen und -referenten bestehen. Die Lernenden bestimmen die Wochenthemen mit und sind in die Gestaltung und Planung der Exkursionen eingebunden.

Mitte Juni 2009 evaluierten die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter das Best-Practice-Modell "GuA – Grundbildung und Arbeitsmarkorientierung" in Oldenburg, das im Jahr 2001 durchgeführt wurde.

"Alle lernen hier unter einem Dach", so beschreibt Projektleiter Achim Scholz die Einrichtungsqualität. In einem Grundschulgebäude hatten die Teilnehmenden des GuA-Projektes einen abgetrennten Teil des Erdgeschosses und die erste Etage für sich: drei Kursräume, ein Beratungsraum, ein Büroraum und eine Küche.

 

Hier wurde fleißig gelernt und der Nachschub an Materialien blieb nicht aus...

Achim Scholz beschreibt, dass es gute Synergien zwischen den Teilnehmenden und den Schülerinnen und Schülern gab. Immerhin hängt auch heute noch ein Projektergebnis von GuA bei den Treppen zum ersten Geschoss, das täglich von den Schülerinnen und Schülern begutachtet werden kann.

Die Entstehungsgeschichte des Projektes beginnt mit einer Reporterin und endet mit dem Beginn des Angebotes, das durch das Arbeitsamt finanziert wurde (Mehr dazu auch unter folgendem Link (http://www.die-bonn.de/doks/troester0202.pdf)). So erhielten 20 Menschen die Chance, arbeitsweltorientiert in drei nach ihren Schriftsprachkompetenzen binnendifferenzierten Kleingruppen zu lernen, die sie innerhalb des Angebotes wechseln konnten.

Alle zusammen für die Alphabetisierung und Grundbildung: Projektleiter, Sozialpädagogin und Lernende aus dem GuA-Projekt gemeinsam mit dem Chancen-Team.

Die Ausgestaltung der Inhalte und Methoden in den einzelnen Gruppen lag bei den Pädagoginnen und Pädagogen, die die Kurse betreuten. Die Lernorganisation und die methodischen Grundsätze, die das Projekt umfassten, lassen sich in folgende Aspekte gliedern: Lesen, Schreiben, Rechnen, Wochenplan und Wochenbilanz, Tagebuch, Wochenthemen, Freiarbeit, neue Medien, Arbeitsmarkterkundung, Berufsweltorientierung, Lernen lernen und die Erprobung von Schlüsselqualifikationen. Die Lehrenden-Teams der jeweiligen Gruppen teilten sich den Unterricht auf, so dass immer ein Teammitglied im Kurs anwesend war. Am Montag wurde ein Wochenthema gewählt, das die Teilnehmenden in ihrer Freiarbeit unterschiedlich für sich bearbeiten konnten. Im Unterricht wurden verschiedene Methoden und Medien zum Einsatz gebracht, um die Gruppenarbeit in dieser Vollzeitmaßnahme abwechslungsreich zu gestalten. Auch hier lag ein Schwerpunkt auf den (sozialpädagogischen) Begleitangeboten. In ständiger Nähe war die Sozialpädagogin Gabriele Großekappenberg, die auf Grund der hohen Nachfrage im Laufe des Projektes Sprechstunden einrichten musste. Neben dem Lernalltag innerhalb der einzelnen Gruppen wurden Exkursionen zu Betrieben und kulturellen Einrichtungen getätigt sowie Referentinnen und Referenten zu verschiedenen Themen eingeladen.

Ein Lernender beschreibt seine Erfahrungen und Erfolge im Angebot so: "Ich bin frei geworden."

(KE)

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Lesen und Schreiben für den Beruf

Das Kursangebot "Lesen und Schreiben für den Beruf" der VHS Gelsenkirchen zeichnet sich durch seinen individuellen Ansatz aus. Die Kursteilnehmenden werden durch produktorietiertes Lernen angeregt, ihre Stadt kennenzulernen. Zusätzliche Kursstunden am Wochenende und in den Semesterferien bieten die Möglichkeit zum Austausch.

Personenzentrierte Förderung im Kursverband, projektbezogenes Lernen und innovative Zusatzmodule zum Kurs machen dieses Modell an der Volkshochschule Gelsenkirchen aus. Die Kursleiterin Elke Ebert macht den Erfolg des Angebotes an der kontinuierlichen Teilnahme fest: "Die Teilnehmer gestalten mit mir den Kurs nach ihren Bedürfnissen. So bleibt niemand außen vor." In Absprache mit den Teilnehmenden bereitet die Kursleiterin Materialien für die einzelnen Arbeitsfelder vor, in denen diese arbeiten oder arbeiten möchten. Die Information über die Arbeitsfelder und Ziele der Teilnehmenden erhält die Kursleiterin in ausführlichen Beratungen, die Lernzielbeschreibungen und Lebens- sowie Arbeitsweltanalyse beinhalten. Um den Gruppenzusammenhalt zu stärken, werden Lebensweltthemen sowie arbeitsweltorientierte Aspekte in der Plenumphase im Kurs behandelt und diskutiert. Dabei ist es Frau Ebert wichtig, dass die Teilnehmenden sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam Hilfsangebote entwickeln oder auf lokale Angebote hinweisen.

Die sechs Teilnehmenden können sich an zwei Notebooks abwechseln, die im Raum zur freien Arbeit zur Verfügung stehen. Frau Ebert beschreibt den Einsatz der neuen Medien so: "An den Laptops können die Teilnehmenden Bewerbungen schreiben, im Internet recherchieren oder auch im Lernportal lernen."

Chancen-Mitarbeiterin Katja Klose und Kursleiterin Elke Ebert im siebten Alphabetisierungshimmel der VHS Gelsenkirchen

Das Besondere an diesem "normal" erscheinenden Kurs der VHS Gelsenkirchen ist sicherlich das Angebot des "frischen Samstages" sowie die "Überbrückungstage". Der frische Samstag lädt die Teilnehmenden ein, Samstagsvormittags in der VHS zu lernen, ohne vorher acht Stunden gearbeitet zu haben. Die Überbrückungstage sind Angebote, die die Sommer- und Winterpause der VHS auffangen sollen. An diesen Nachmittagen treffen sich die Teilnehmenden, tauschen Neuigkeiten aus und frischen Gelerntes auf und nehmen sich Aufgaben bis zum nächsten Treffen mit. Die aus der VHS ausgelagerten Kursräume geben den Teilnehmenden zudem einen größeren Raum sich zu entfalten.

Regelmäßig erhält der Kurs auch Besuch von Bernhard Müller, dem Programmbereichsleiter. Dieser sieht die Besuche als "Analyse-Instrument", in wie weit sich die Lernenden wohlfühlen.

(KE)

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Berufsvorbereitende Maßnahmen für Lese- und Schreibschwache

Das Angebot des Vereins Lesen und Schreiben bietet die viele Möglichkeit der praktischen Erprobung innerhalb der Einrichtung. Die Teilnehmenden können sich in drei Berufsfeldern ausprobieren. Arbeitswelt- und Lebensweltorientierte Inhalte werden besonders im Fach Sozialkunde in den binnendifferenzierten Gruppen diskutiert und bearbeitet. Zudem haben die Lernenden hier die Möglichkeit, mit Künstlerinnen und Künstlern zusammen zuarbeiten. Die Ergebnisse werden in den Räumlichkeiten des Vereins ausgestellt.

In diesem Angebot, das bis 2005 durchgeführt wurde, wurden die Lernenden durch verschiedene Praxismodule allgemein auf die Arbeitswelt und ihre Anforderungen vorbereitet, ohne dass eine direkte Ausbildungsrichtung vorgegeben war.

Der Stift in den Händen des Chancen-Teams weist den Weg zur guten Alphabetisierung: in die Räumlichkeiten von Lesen und Schreiben e.V.

Der Verein Lesen und Schreiben e.V. befindet sich seit 1984 in einem Berliner Ladenlokal, erweitert durch Kursräume in einer im Haus befindlichen Altbauwohnung und weiteren (Werkstatt-)Räumen im Hinterhaus. Das Konzept der Einrichtung und des Modells hat sich seit den Achtzigern bewährt und wird bis heute weiterentwickelt und durchgeführt. Neben dem Grundbildungsunterricht in Lesen, Schreiben und Rechnen sowie dem Fach Sozialkunde stehen den Kursteilnehmenden praktische Einheiten als Berufsweltorientierung in der integrierten Werkstatt, dem eigens betriebenem Café und dem Lehr-Garten zur Verfügung. Finanziert wird dies alles von der Arbeitsagentur. Die Wertschätzung für die Produkte der Teilnehmenden zeigt sich unter anderem dadurch, dass Fotoausstellungen, selbst entworfene Möbel, beschriftete und dekorierte Teller, Übersichten der Berliner Sehenswürdigkeiten und von Lernenden verfasste Texte in den Räumen präsentiert werden.

Das Konzept von Lesen und Schreiben e.V. bezieht ganz deutlich Binnen-Differenzierung mit ein. Die Teilnehmenden werden je nach ihrer Schriftsprachkompetenz in drei Gruppen eingeteilt. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass die Teilnehmenden während ihrer Lernzeit bei Lesen und Schreiben e.V. die Gruppen wechseln. Die Vermittlung von Kulturtechniken und die praktische Erprobung in den genannten Feldern teilen sich halbtags auf. Zudem sind Gespräche mit Sozialpädagoginnen fortlaufend möglich.

So macht Lernen Spaß: Bei so viel Freiraum geht das ABC in die Lüfte...

Um die Lernenden mit in die Gestaltung der Angebote einzubeziehen, findet wöchentlich eine Vollversammlung der Lernenden statt. In dieser wird Kritik konstruktiv geäußert und aufgegriffen, Ideen werden entwickelt und Informationen zum Beispiel zu Sozialkaufhäusern im Kiez ausgetauscht. Es finden mit den Teilnehmenden vorbereitete (Öffentlichkeits-)Aktionen und Exkursionen statt. Zudem werden Gastreferentinnen und -referenten zu verschiedenen Themen in das Fach Sozialkunde eingeladen. Nicht zuletzt wird stark auf die kulturelle Bildung geachtet. Künstlerinnen und Künstler aus Berlin werden für Kultur- und Kreativprojekte gewonnen. Eine besonders erwähnenswerte Zusammenarbeit ist die mit dem Künstler Bofinger.
Neben dem Vereins-Vorstand, bestehend aus Ingan Küstermann, Helga Reichelt und Urda Thießen, wurden Kursleiterinnen und eine das Angebot unterstützende Sozialpädagogin über ihre Erfahrungen interviewt, ebenso wie natürlich auch die Lernenden selbst.

Im Interview wurde nicht nur auf eitel Sonnenschein gemacht, sondern auch Problemlagen angesprochen.

Die Räumlichkeiten des urigen Ur-Berliner Altbaus und die enge und basisdemokratische Zusammenarbeit der Mitarbeitenden des Vereins tragen zu einer guten Arbeits- und Lernatmosphäre bei. Beispielhaft zeigt aber auch die Möglichkeit für eine geringe Kostenbeteiligung am gemeinsamen Mittagessen teilzunehmen, dass Alphabetisierung hier nicht bloß auf die Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten beschränkt ist, sondern in einem ganzheitlichen Konzept der Verbesserung der Alltagswelt seiner Lernenden dienen soll. Viele ehemalige Lernende suchen immer wieder gerne das Gespräch bei einer Tasse Kaffee.

(KE)

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