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Projekt

WEGE

Projektbereich I


In diesem Projektbereich soll erstmalig ein Konzept der abholenden Alphabetisierungsarbeit entwickelt werden. Durch Erforschung, Entwicklung und Umsetzung neuer Formen der Öffentlichkeitsarbeit und Beratungskonzepte, die an jugendliche Lebenswelten anknüpfen, werden Jugendliche und junge Erwachsene für die Teilnahme an Alphabetisierung und Grundbildung sensibilisiert und motiviert. Dabei soll untersucht werden, in welcher Weise jugendspezifische Medien (Musik, TV, Internet, Handy, Computer etc.) eingesetzt werden können. Dazu gehört auch die Entwicklung und Erprobung von medienunterstützten Grundbildungsangeboten, die der Zielgruppe eine erste und informelle Kontaktaufnahme mit Grundbildung und dem Lernen ermöglicht.

(TH)

Projektbereich II


Das Projekt recherchiert den Bestand an gelingenden berufsbezogenen Alphabetisierungs- und Grundbildungskonzepten im In- und Ausland, entwickelt in enger Abstimmung mit Bildungsträgern, Wirtschaft und Wissenschaft sowohl (branchenspezifische) Fördermodelle als auch Lehr- und Lernkonzepte zum Übergang in Arbeit und Ausbildung und setzt diese bei Bildungsträgern modellhaft um. Zudem werden Lernmaterialien ausgearbeitet und in der Bildungspraxis getestet. Die Projektmitarbeiter entwickeln und erproben Sensibilisierungs- und Fortbildungskonzepte für Multiplikatoren.

Ein wichtiger innovativer Aspekt des Arbeitsfeldes liegt darin, dass eine gemeinsame Brücke zur Förderung von jungen Erwachsenen mit unzureichender Grundbildung von unterschiedlichen Seiten gebaut und zusammengeführt wird, deren Bausteine sich aus der Expertise von Wissenschaftlern, Unternehmen, Teilnehmern und Bildungseinrichtungen zusammensetzen. Dabei werden unterschiedliche Sichtweisen reflektiert, Erfahrungen und Erwartungen ausgetauscht und Realisierungsmöglichkeiten gemeinsam geprüft.

Bei der Recherche und Auswahl von Good-Practice-Beispielen zur beruflichen Integration und Förderung von gering Qualifizierten wird auf den Wissens- und Erfahrungspool der beteiligten Experten im Verbundprojekt sowie auf externe Berater zurückgegriffen. Der Projektbereich trägt dazu bei, gering qualifizierten Jugendlichen und Erwachsenen verbesserte Bildungs- und Berufsperspektiven zu ermöglichen. Er leistet daher einen innovativen Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit in der Weiterbildung und beugt der Arbeitslosigkeit insbesondere junger Erwachsener vor.

Die Wege und Ziele im Projektbereich "Chancen erarbeiten – Auf Ausbildung und Arbeitswelt vorbereiten" sind:

Recherche, welche Rolle Alphabetisierung und Grundbildung in "regulären" Angeboten der Jugendberufshilfe am Übergang zwischen Schule und Ausbildung / Arbeit (nach SGB II, III und VIII) und in innovativen Fördermodellen der allgemeinen Erwachsenenbildung und außerschulischen Jugendbildung am Übergang zwischen Schule und Ausbildung/Arbeit spielen. Als Recherchewege werden hierfür das Internet, Publikationen und Expertengespräche genutzt.

Dokumentation und Aufarbeitung der Recherche-Ergebnisse durch die Methode der qualitativen Bestandsaufnahme, genauer durch:
- Bedarfs- und Angebotsanalysen,
- teilnehmende Beobachtungen,
- Leitfaden gestützte Interviews mit Kursteilnehmern und -leitern von Good-Practice-Beispielen,
- Analyse von Lernmaterialien und Curricula.

In diesem Kontext werden Bedingungen erforscht, unter denen der Übergang gering qualifizierter Jugendlicher und Erwachsener in Ausbildung, Arbeit und Beruf verbessert werden kann.

Adaption und Weiterentwicklung von Beispielen "guter Praxis": Es werden 15 Beispiele ausgewählt, evaluiert, adaptiert und weiterentwickelt. Dabei werden sowohl die Interessen und Bedürfnisse von jungen Erwachsenen wie auch die Anforderungen von Betrieben berücksichtigt.

Entwicklung und Erprobung von Fördermodellen sowie Alphabetisierungs- und Grundbildungskonzepten (zusammen mit lokalen Partnern), die an die bestehenden Angebote der Jugendberufshilfe und der Erwachsenenbildung anschlussfähig sind.

Konzeption von berufs- und lebensweltbezogene Lehr- und Lernmaterialien mit und für Jugendliche und junge Erwachsene (in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern aus Bildung und Wirtschaft), Einsatz in der Praxis und Evaluation ihrer Einsatzmöglichkeiten. Eine Handreichung mit Richtlinien, praktischen Erfahrungen und Empfehlungen für Anbieter im Grundbildungsbereich, Berater und andere Multiplikatoren wird von den Projektmitarbeitern veröffentlicht. Eine Machbarkeitsstudie wird Aufschlüsse über Nachhaltigkeit und Finanzierungsmöglichkeiten von berufsbezogenen Alphabetisierungs- und Grundbildungsangeboten geben.

• Zur Vernetzungsarbeit initiiert, moderiert und fördert der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V. den Wissenstransfer zwischen Einrichtungen der Jugendberufshilfe, Sonderberufs-Kollegs, Volkshochschulen und Betrieben. Für Mentoren und Beratungseinrichtungen werden Multiplikatoren-Schulungen ausgearbeitet und angeboten. Auf diese Weise werden weitere Einrichtungen der Berufshilfe, der Arbeitsverwaltung sowie Jugendämter, gewerkschaftliche Bildungsträger und Volkshochschulen auf die Problematik aufmerksam gemacht und zugleich mit neuem Handwerkszeug ausgestattet, mit dem sie die berufsbezogene Alphabetisierungspraxis in ihren Einrichtungen weiterentwickeln können. Die Öffentlichkeitsarbeit wird durch (Online-) Publikationen wie Dossiers und Diskussionen der Ergebnisse z. B. bei Akteurstreffen geleistet. Die erarbeiteten Ergebnisse werden durch Berichte und Workshops verbreitet. Ziel ist es, über bestehende und neu zu etablierende Netzwerke das Bewusstsein für die Belange und Bedürfnisse von Menschen mit unzureichender Grundbildung zu fördern.

Die Projektergebnisse werden in einem Abschlussbericht dokumentiert und im Rahmen einer abschließenden Fachtagung bilanziert.

 

(AB)

Projektbereich III
Grundbildung und Qualifizierung für junge Erwachsene in Ausbildung


Innerhalb dieses Arbeitsfeldes sollen adressaten- und branchenspezifische Grundbildungs-Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene mit unzureichender Lese-Kompetenz bzw. Lern-Schwierigkeiten entwickelt und erprobt werden. Dazu wird zunächst eine Bestandsaufnahme der Grundbildungsanforderungen in den Curricula beruflicher Schulen sowie außer- und nachschulischer Qualifikationsangebote durchgeführt. Aus einem Vergleich der von der Arbeitswelt gestellten Anforderungen an Schulabsolventinnen und Schulabsolventen mit den Grundbildungsinhalten in den Curricula allgemein bildender Schulen wird ein "Basiscurriculum Grundbildung" abgeleitet. Hierbei wird auf die Arbeiten der Verbundpartner über die Gestaltung niedrigschwelliger Einstiege in den Arbeitsmarkt zurückgegriffen. Im Rahmen dieser Entwicklungsarbeit werden aktuell verfügbare Diagnose- und Profiling-Instrumente auf ihre Einsatztauglichkeit für die Zielgruppe überprüft. Abschließend sollen die erprobten Grundbildungslehrgänge über ein aufzubauendes Berufsbildungsnetzwerk von beruflichen Schulen und Bildungsträgern in die Fläche getragen werden, um sie als Regelangebot zu implementieren. Die Arbeiten werden vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft (BWHW), Regionalbüro Darmstadt, in enger Kooperation durchgeführt.

(HK/RK)

Projektbereich IV
Grundbildung und Qualifizierung: Lernen am Arbeitsplatz und in externer Weiterbildung

In diesem Arbeitsfeld wird das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) eine Bedarfsanalyse zur betrieblichen Qualifizierung von gering Qualifizierten bzw. erwerbstätigen und arbeitslosen Erwachsenen mit unzureichender Lesefähigkeit durchführen. Grundlage dafür ist eine Bestandsaufnahme bedarfsorientierter Weiterbildungsangebote für Geringqualifizierte, die über keine basale Lesefähigkeit verfügen. Für die Umsetzung von Maßnahmen zur Vermittlung von Grundbildung für junge Erwachsene und ältere Erwerbspersonen ohne ausreichende Lese- und Schreibfähigkeiten, die das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, Regionalbüro Darmstadt, neu konzipiert, sollen Pilotunternehmen gewonnen werden. Ziel ist es, ein arbeitsplatznahes Grundbildungskonzept (Workplace Basic Education) als Basis für bedarfsorientierte Weiterbildungsangebote zu entwickeln. Diese können im Kontext des Lernens am Arbeitsplatz sowie in außerschulischen Lernorten realisiert und erprobt werden. Lese- und Schreibkompetenzen von funktionalen Analphabeten und von Erwachsenen mit mangelnder Grundbildung werden auf diese Weise gefördert und die Beschäftigungsfähigkeit dieser Personengruppe erhöht. Zur Verbreitung der Ergebnisse und Erfahrungen soll ein bundesweites Netzwerk über die Bildungswerke der Wirtschaft sowie andere Weiterbildungsträger aufgebaut werden. Dieses Netzwerk informiert über die besonderen Bildungsangebote für Illiterate in Beschäftigung und berät interessierte Unternehen sowie Erwachsene mit mangelnder Lesefähigkeit bei der Wahl geeigneter Maßnahmen.

(HK/RK)

Wissenschaftliche Begleitforschung

Die wissenschaftliche Begleitforschung im Verbundvorhaben "Chancen erarbeiten" wird jedem einzelnen der vier bezeichneten Arbeitsfelder angeschlossen.

Die Verbund übergreifende Aufgabe wird von der Bielefelder Fakultät für Gesundheitswissenschaften übernommen. Die inhaltliche Tätigkeit im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung umfasst drei Module:

(1) Prozess-Evaluation
(2) Erreichbarkeits- und Akzeptanzanalyse sowie
(3) eine punktuelle Wirksamkeitsüberprüfung der Modellvorhaben.

Wissenschaftliche Begleitforschung in dieser Form erlangt im internationalen Kontext grundlagentheoretischer und anwendungsorientierter Forschung eine immer bedeutsamere Stellung.

(RH)