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30. und 31. August 2008 | Wuppertal, NRW-Tag

"Buchstaben bewegen. Sich. Dich. Mich."

Motivieren, informieren, sensibilisieren: Der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung (BVAG) bot auf dem NRW-Tag am 30. und 31. August in Wuppertal ein vielfältiges Angebot. Neben Podiumsdiskussionen und moderierten Lesungen auf der Bühne konnten sich Interessierte am Stand des ALFA-MOBILs über das Thema Alphabetisierung informieren.

Vor allem die zahlreichen Gewinnspiele waren sehr gefragt: Wörter-Rätsel, Buchstaben-Fallen und kleine Wissenstests bereiteten sowohl kleinen als auch großen Besuchern nicht nur viele Grübel- und Lachfalten, sondern ermöglichten es ihnen vor allem, sich in die schwierige Situation von Menschen mit Lese- und Schreib-Schwierigkeiten hineinzuversetzen.

 

Gerrit Holz (BVAG) hatte alle Hände voll zu tun, die Gewinnspiele zu erklären und auszuwerten.

 

"Wissen Sie eigentlich sicher, wie man Majonäse schreibt?", fragte Marion Döbert (UIL Hamburg) das Publikum in der Podiumsdiskussion mit dem Thema "Wie lebt es sich in einer Welt ohne Buchstaben?", die zusammen mit Angelika Schlemmer von der Bergischen VHS das Thema von Expertenseite beleuchteten. Einen sehr authentischen Einblick in den Alltag von Menschen mit Lese- und Schreib-Schwäche gewann das Publikum durch die Erzählungen von Jutta Stobbe, die 2005 als Alphabetisierungsbotschafterin geehrt wurde.


V. l.: Angelika Schlemmer (Bergische VHS), Alexandra Ernst (BVAG) Marion Döbert (Vorstand BVAG), Jutta Stobbe (Alphabetisierungsbotschafterin 2005), Tim Tjettmers und Andreas Brinkmann (beide BVAG) diskutierten die Frage, wie wichtig Lesen und Schreiben im Jahr 2008 sind.

 

"75.000 junge Erwachsene verlassen die Schule jährlich ohne Abschluss. Was können wir tun, um Jugendliche zu motivieren und zu fördern?" fragte Moderator Andreas Brinkmann Dr. Ulrich Steuten, BVAG-Vorstandsmitglied sowie Alphabetisierungsexperte der VHS Moers. Im Zentrum der Diskussion standen junge Menschen an der Schnittstelle zwischen Schule und Beruf.

Tim Tjettmers (BVAG) stellte das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verbundprojekt "Chancen erarbeiten" vor, welches zum Ziel hat, Jugendliche berufsbezogen zu fördern. Zwei Lernerinnen der Bildungseinrichtung "Förderkorb" aus Gelsenkirchen sprachen über die Schwierigkeiten, sich dem Lese- und Schreib-Problem zu stellen und die Angst im Alltag, als funktionaler Analphabet "enttarnt" zu werden.


Betroffene mit Lese- und Schreib-Problemen aus der Gruppe "Förderkorb" sprechen über ihre Alltagsprobleme und Lernfortschritte.

 

Scham über seine Schreib- und Lese-Schwäche zu sprechen, hat der Schüler Jerome Arn D’Jeffey nicht mehr. "Wenn ich einen Einkaufszettel schreibe, dann kann das keiner lesen" bekennt der Legastheniker offen. Sein ewiger Kampf mit der Stolperfalle Buchstaben hat ihn jedoch nicht davon abhalten können, als 14-Jähriger einen Fantasy-Roman zu schreiben. Seine Lesung aus der erlebnisreichen Welt des Buchhelden Shawn Stone hat vor allem junge Menschen angesprochen.


Jerome Arn D’Jeffey liest aus seinem Roman "Shawn Stone", den er mit 14 Jahren trotz seiner Legasthenie geschrieben hat.

 

Auch die ALFA-SPOTS, die zwischen den Moderationen an eine Leinwand projiziert wurden, erfreuten sich nicht nur beim jungen Publikum großer Beliebtheit. NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann lobte die zielgruppengerechte Ansprache. Am Stand des ALFA-MOBILs informierte er sich über das Thema Analphabetismus.

Auf Buchstabensuche: NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (2. v. re.) genoss zusammen mit Dr. Ulrich Steuten (Vorstandsmitglied BVAG, li.) Buchstaben aus Russisch Brot. Foto: Thomas Hendrich

 

Für neugierige Blicke sorgten ebenfalls die Bildungsstatements bekannter HipHop-Musiker, wie z. B. Samy Deluxe, die im Verbundprojekt "Chancen erarbeiten" mit dem Hintergrund, gezielt Jugendliche anzusprechen,  entstanden sind. Projektleiter Andreas Brinkmann weiß, dass in diesem Bereich noch viel Handlungsbedarf besteht: "Auf dem NRW-Tag bestätigten sich unsere Vermutungen. Durch eine Besucher-Analyse haben wir herausgefunden, dass sich meist erst Menschen über 35 Jahren für das Thema Alphabetisierung interessieren".

Um auf die komplexe Thematik aufmerksam zu machen, hat sich der Bundesverband eine besondere Aktion ausgedacht: Mit Silben-Kartons bekleidet verteilten BVAG-MitarbeiterInnen Programm-Flyer und gaben Auskünfte über Analphabetismus in Deutschland und den Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung.



Da geht’s lang zur Alphabetisierung: Renata Warzych (li.) und Kristina Joest (re., beide BVAG) verteilten mit kreativer Ansprache Programm-Flyer und informieren über funktionalen Analphabetismus.

 

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