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Münster | 7. Juli 2009

Werner ist schätzungsweise 40 Jahre alt, kann nicht richtig lesen und schreiben und saß für 18 Monate in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Münster ein. In der letzten Woche wurde er nun nach Hagen verlegt. Beim Pressegespräch am 7. Juli 2009 war er von der Anstaltsleiterin Maria Look noch einmal nach Münster eingeladen, um mit sechs anderen Häftlingen von seinen Erfahrungen im sogenannten "Lese-Workshop", einem Lese- und Schreibkurs in der JVA, zu berichten. "Ich habe riesige Fortschritte gemacht, kann jetzt gut lesen und möchte mich weiter auf die Zeit nach der Haft vorbereiten" sagt Werner. Aber er macht den Journalisten und anderen Zuhörern auch eindrucksvoll klar, dass es in Hagen für ihn keine Möglichkeit gibt, weiter zu lernen. Maria Look muss das bestätigen, da auch sie keine weitere JVA in NRW kennt, die ein solches Angebot für die Gefangenen bereithält.

 

Tim Tjettmers arbeitet ehrenamtlich mit den Häftlingen.

"Unsere Aufgabe im Strafvollzug ist es, die Gefangenen zu resozialisieren. Aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben draußen setzt Lese- und Schreib-Kenntnisse voraus", so Look. Dabei hat die JVA Münster schon früher versucht, ein Kurs-Angebot einzurichten, scheiterte jedoch letztlich an der Finanzierung.
Die Initialzündung für den Lese-Workshop lieferte "Chancen erarbeiten" mit einem Informations- und Filmabend im Herbst 2008. Unter dem Motto "Buchstaben überwinden Mauern" wurde der Film "Das Kreuz mit der Schrift" gezeigt, in dem die Geschichte eines jungen Häftlings geschildert wird, der nicht Lesen und Schreiben kann. Schnell wurde in der anschließenden Diskussion klar, dass der Bedarf für ein Kurs-Angebot besteht.

Dank des ehrenamtlichen Engagements des Kursleiters Tim Tjettmers, der über den Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung den Kontakt knüpfen konnte, findet jetzt seit Oktober 2008 der Lese-Workshop statt. Eine besondere Aufgabe liegt für ihn darin, Teilnehmer erwachsenengerecht zu fördern und auf individuelle Lernbedürfnisse einzugehen. Die "Stiftung Bürger für Münster" stellte 500 € für Lern- und Arbeitsmittel zur Verfügung. "Wir unterstützen dieses Projekt, das ja die Gefangenen langfristig in die Lage versetzen soll, nach ihrer Entlassung an dem üblichen Alltagsleben teilzunehmen", so Hans Rath, Vorsitzender der Stiftung Bürger für Münster.
"Werner hat allen Beteiligten klar gemacht, dass viel Intelligenz und Geschicklichkeit erforderlich sind, um im Alltag klar zu kommen" so das Resümee von Andreas Brinkmann, Projektbereichsleiter bei "Chancen erarbeiten", "denn er hat seine LKW-Führerscheinprüfung bestanden und jahrelang komplette Fahrtrouten bis nach Spanien oder Skandinavien auswendig gelernt".

Bürger für Münster: 500 € für Lern- und Arbeitsmittel in der JVA überreichte Hans Rath (re.) an Maria Look (li.).

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(RH/MM)