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Projekt

AKTIONEN

27. und 28. Juni 2009 | Hamm, NRW-Tag

Bildungsexperten, Politiker und Betroffene engagieren sich für Alphabetisierung

Drei Tage lang war Hamm Landeshauptstadt: Rund 700.000 Besucher informierten sich am 27. und 28. Juni 2009 über die kulturelle, soziale, sportliche und wirtschaftliche Vielfalt in NRW.

Diese Möglichkeit nutzten das Verbund-Projekt "Chancen erarbeiten" und der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung, um über die eigene Arbeit und Ergebnisse zu informieren. Die Akteure präsentierten sich mit dem ALFA-MOBIL und sorgten mit Wort- und Buchstabenrätseln und dem ABC-golf´n´goal-Spiel für einen Aha-Effekt bei den Besuchern. Gemeinsam mit der VHS Hamm wurde ein vielseitiges Programm aus Diskussionen, Infoveranstaltungen und Gewinnspielen auf die Beine gestellt. Lesungen von Texten ehemaliger funktionaler Analphabeten, gestaltet von Svenja Milski und Simone Sehring, rundeten das Programm ab.

Projektbereichsleiter Andreas Brinkmann fasst zusammen: "Über unsere Spiel- und Quiz-Angebote haben wir viele Besucher erreicht. Wir haben sie offensiv aufgefordert, ihre eigenen Rechtschreibfähigkeiten zu testen und gefragt: `Wissen Sie eigentlich, wie man Majonäse schreibt?´ Dadurch sind wir schnell ins Gespräch über unser Thema gekommen. Wir freuen uns, dass die VHS hier vor Ort alles so gut organisiert hat und dass Jutta Stobbe als Ex-Betroffene eindrucksvoll beschrieben hat, was sich für sie dadurch geändert hat, dass sie lesen und schreiben kann."
 

Jutta Stobbe im unermüdlichen Einsatz am Info-Stand.


In beeindruckender Offenheit gab die Botschafterin für Alphabetisierung, Jutta Stobbe auf der Bühne Einblicke in ihr früheres Leben ohne Schrift. Mit Herz und Hand bewies sie bei Interviews, beim Beraten und beim Anleiten von Lernspielen Einsatz für die Alphabetisierung. Im Talk mit Reporter-Legende Manni Breuckmann zeigte sie sich einmal mehr schlagfertig und selbstbewusst: "Ich habe beim Lernen drei Jahre gebraucht bis ich Briefe schreiben und Bücher lesen konnte. Mittlerweile kümmere ich mich selbst um Leute, die Probleme damit haben. Ich engagiere mich in der Öffentlichkeitsarbeit für den Bundesverband, bin inzwischen Ausbilderin und unterrichte Auszubildende. Ich kann mich gut in die Jugendlichen reinversetzen und sehe, dass meine Arbeit was bringt!"
 

Rund 200 Zuhörer verfolgten den verbalen Schlagabtausch von Manni Breuckmann, Jutta Stobbe und Andreas Brinkmann (v. l.).

 

Andrea Reitz, Programmbereichsleiterin der VHS Hamm, bilanzierte die abwechslungsreichen Veranstaltungen auf der Bühne an den beiden sonnigen Tagen: "Unsere Botschaft ist angekommen. Alphabetisierung ist enorm wichtig, um im Leben gut zurechtzukommen. Jeder kann es schaffen, lesen und schreiben zu lernen. Wenn der NRW-Tag zur Aufklärung über Alphabetisierung beigetragen hat und einige Erwachsene Mut geschöpft haben, das Lesen-Lernen anzupacken, haben wir viel erreicht."

 

Die Idee zur gemeinsamen Aktion mit der VHS Hamm kam vom Projekt "Chancen erarbeiten", einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt, das darauf abzielt, die Teilhabe am Arbeitsmarkt gering Qualifizierter zu verbessern und Weiterbildungsträgern und Unternehmen entsprechende Konzepte zur Verfügung zu stellen. Die Projektmitarbeiter präsentierten in Hamm erste Ergebnisse und berichteten über ihre aktuelle Befragung aller Bundestagsparteien zum Thema Alphabetisierung.
Bei seinem Rundgang auf dem Platz der Erfolgsrezepte informierte sich der NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann an den Ständen von Unternehmen, Bildungs- und Beratungseinrichtungen. Zielstrebig steuerte er wie im Vorjahr den Alphabetisierungsstand an, um sich über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten. Er erkundigte sich nach der Finanzierung des Bundesverbands und fand anerkennende Worte für die geleistete Arbeit. Dabei  unterstrich der Minister, wie wichtig es besonders für Jugendliche ist, richtig lesen und schreiben zu können.
 

Hingucken erwünscht! Karl-Josef Laumann, Jutta Stobbe und Andreas Brinkmann (v. l.) machen sich gemeinsam für die Grundbildung stark.

 

Nach den schweißtreibenden Tagen bei 30 Grad auf dem NRW-Tag freuen sich die Mitarbeiter nun darauf, in den etwas kühleren Projektbüros Lernkonzepte und leicht lesbare Lehrmaterialien für bildungsbenachteiligte Jugendliche weiterzuentwickeln.

Zu Interviews mit Jutta Stobbe und Andreas Brinkmann

(AB/PR/MM)