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Projekt

AKTIONEN

8. September 2008 | Gelsenkirchen, Weltalphabetisierungstag

"Wenn das A Angst macht"

Unter diesem Motto veranstaltete das Verbundprojekt "Chancen erarbeiten" anlässlich des Weltalphabetisierungstages 2008 verschiedene Aktionen in Gelsenkirchen.

Etwa vier Millionen Menschen über 15 Jahre in Deutschland kennen die Angst, dass ihre Lese- und Schreib-Schwäche entdeckt wird. Als funktionale Analphabeten treiben ihnen alltägliche Lese-Anlässe die Sorgenfalten ins Gesicht. Allein in Gelsenkirchen haben über 13.000 Menschen Probleme, einen Brief zu schreiben, Anträge zu lesen oder den Busfahrplan zu enträtseln. Mit einem Informationsstand, Wörter-Spielen, Buchstaben-Pfaden und einer Film-Präsentation zeigten der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung (BVAG) zusammen mit VHS und Stadtbibliothek Gelsenkirchen, dass sich Grundbildung nicht nur auf trockene Weise vermitteln lässt.



Ziele der Aktionen waren, Betroffene und Angehörige über Hilfsangebote zu informieren und die Öffentlichkeit für das Thema Analphabetismus zu sensibilisieren. Projekt-Mitarbeiterin Katja Erzkamp betont die Aktualität des Anliegens: "Der heutige Tag hat gezeigt, dass beim Thema funktionaler Analphabetismus noch viel Aufklärungsbedarf besteht. Bei unseren Gesprächen mit Betroffenen haben wir erfahren, dass viele nicht genau wissen, an wen sie sich wenden können."

 


"Am Donnerstag gehe ich zum Kurs in die VHS!" Eine Lernerin, die nach 25 Jahren wieder den Weg in einen Lese- und Schreibkurs gefunden hat.




Was bedeutet Lesen und Schreiben für Sie? Alt und Jung haben sich Gedanken zum Stellenwert des Lesens und Schreibens in ihrem Alltag gemacht.

Vor allem junge Besucher interessierten sich für das Projekt "Chancen erarbeiten". Der Schwerpunkt des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projektes liegt vor allem in der Ansprache lese- und rechtschreibschwacher Jugendlicher, die sich an der Schnittstelle zwischen Schule und Beruf befinden sowie einer Erweiterung von jugendgerechten Lernangeboten.

 




Durch Mitmach-Spiele und Wörter-Rätsel lockte der Bundesverband viele Passanten an die Informationsstände, erst in der Fußgängerzone und später in der VHS.

 

Einen nachhaltigen Einblick in den Alltag von Menschen mit Lese- und Schreib-Problemen vermittelte der Dokumentarfilm "Das G muss weg", der im Bildungszentrum Gelsenkirchen aufgeführt wurde. Zum ersten Mal waren drei Betroffene bereit, sich für ein Jahr der Kamera zu stellen. Nicole, Steffi und Mondo hatten nicht nur den Mut, einen Alphabetisierungskurs für Erwachsene zu beginnen, sondern auch ein Dokumentarfilm-Team an ihrem Leben teilnehmen zu lassen. Im Vorfeld der Aufführung wird kurz erläutert, was funktionaler Analphabetismus ist und in welcher Weise sich die kooperierenden Institutionen damit befassen. Zu diesem Anlass wurden zehn leicht lesbare Bücher der Zentralbibliothek für Leseungeübte überreicht sowie Fachliteratur zum Thema.


Leicht lesbar und geschenkt: Claudia Nobis und Ullrich Spiegelberg (Stadtbibliothek Gelsenkirchen) nehmen von Katja Erzkamp (Mi., BVAG) die Bücher entgegen.

(KE/MM)