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15.10.09 10:11 Uhr

Messestart in Frankfurt: Wirbel, Wusel, Wörterzauber

 

Bereits zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung der diesjährigen Frankfurter Buchmesse am 14. Oktober 2009 waren die Mitarbeiter des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung auf dem Messegelände aktiv. Grund dafür war die im Vorfeld der Buchmesse stattfindende "LitCam"-Konferenz unter dem Thema "literacy and media". Zahlreiche nationale und internationale Teilnehmer diskutierten und informierten über Analphabetismus und Grundbildung.

Am ersten Konferenztag präsentierten unterschiedliche Organisationen aus Nigeria, Indien, Irland und Afghanistan ihre Projekte, in denen verschiedene Medien zur Alphabetisierung genutzt werden. Den Abschluss des Tages bildete die Podiumsdiskussion "Nollywood, Bollywood, Hollywood and Literacy". Am nächsten Tag wurden dann die Themen in verschiedenen Seminaren vertieft.

Am Mittwoch öffnete die Buchmesse in Frankfurt dann ihre Türen für Fachbesucher und lockte durch vielfältige Veranstaltungen auf der "LitCam live!"-Bühne zahlreiche Interessierte an. Einen besonderen Höhepunkt stellten Interview und Lesung mit Buchautor Tim-Thilo Fellmer dar. Der Autor selbst war funktionaler Analphabet und hat erst im Erwachsenenalter das Lesen und Schreiben erlernt. Auch die Selbsthilfegruppe Ludwigshafen berichtete von ihren Erfahrungen, wie es war, lesen und schreiben zu lernen.

Tim-Thilo Fellmer gibt Kostproben aus seinem Buch "Fuffi der Wusel".


Wie schwer es sein kann, wenn Wörter und Buchstaben keinen Sinn ergeben, konnten die Besucher in der Chinesisch-Stunde bei Ying Liu selbst erfahren. Ying Liu stellte chinesische Symbole vor, an denen sich die Teilnehmer probieren durften. Die Messebesucher zeigten sich im Gespräch mit Elfriede Haller beeindruckt, wie schwierig es ist, Zeichen in einer fremden Schrift zu schreiben.

 

China-Stunde: Schreiben lernen mal anders. Wie es auf chinesisch geht, zeigt Ying Liu.


Im Anschluss daran diskutierten Andreas Brinkmann, Tim-Thilo Fellmer und Joachim Bothe, Leiter der Fachtagung Alphabetisierung, über das diesjährige Thema der Fachtagung (4. bis 6. November in Hannover): "Kunst. Kultur. Aktion.". Neben der Frage, in welchem Zusammenhang Alphabetisierung und diese drei Schlagwörter stehen, wurde die Bedeutung der Tagung für die Betroffenen hervorgehoben. Denn nicht nur Bildungsexperten, sondern auch Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten nutzen die jährliche Tagung als Plattform, um Kontakte zu knüpfen und ihre Erfahrungen und ihr Wissen einzubinden.

Joachim Bothe nicht nur hier in Denkerpose.


Beim "High-Noon-Talk" berichtete Sandra Obiago über Alphabetisierung und Best-Practice-Beispiele in Nigeria. In Anlehnung an das Thema  der letzten "LitCam"-Konferenz "literacy and media" zeigte Sie, wie in ihrem Land Medien genutzt werden, um die Menschen zu erreichen. So werden beispielsweise mit jungen Erwachsenen Radio-Sendungen produziert, die an ihren Interessen und Lebenswelten ansetzen. Eindrucksvoll schilderte Sandra Obiago, wie auch gesellschaftliche Probleme des Landes thematisiert und für Hörer interessant aufbereitet werden können.

Agnes Jaworski vom Projekt "a³" bringt das Programm auf den Punkt: "Wortreich, witzig und wirkungsvoll!"

"Da geht´s lang!".Sandra Obiago wirbt für neue Wege in der Alphabetisierung.


(AB/PR/MM)